
Fassade des Palastes von Mschatta
Berlin, Deutschland
Museum für Islamische Kunst
About Museum für Islamische Kunst, Berlin
Wahrscheinlich al-Walid II. 125-126 H./ 743-744
wahrscheinlich 1. Hälfte 2. Jh / 8. Jh., um 125-126 H. / 743-744
I. 6163
Kalkstein, in Blöcken gearbeiteter Reliefdekor.
Höhe 5.07 m Länge 33 m
Umaiyaden
Mschatta, Jordanien
Die Fassade des Palastes von Mschatta in Berlin besteht aus einem Teil der äußeren Palastfassade beidseitig des Einganges in den Palastkomplex. Nur dieser südliche Teil der quadratischen Ummauerung war zwischen zwei Rundtürmen mit Reliefdekor aus einem fortlaufenden Zickzackband in einer Länge von ursprünglich 47 m versehen, das von einem profilierten Sockel und einem Gesims eingefasst wird. Große Rosetten sitzen in den von dem Zickzackband gebildeten Dreiecken. Den Grund überziehen aus Becken entspringende Weinranken. In den Dreiecken der linken Fassadenhälfte werden unterschiedliche Tiere und Fabeltiere wie Vögel, Löwen und Greifen, ein Pfauendrache (Senmurw) sowie ein Kentaur in paradiesisch friedlichem Nebeneinander, zumeist sich an dem Wasser der großen Becken labend, wiedergegeben. Mit dem rechten Torturm beginnt ein Programmwechsel, da auf lebende Wesen zugunsten eines kleinteiligen Pflanzendekors verzichtet wurde. Aus Vasen oder Blattkelchen aufsteigende, sich in vielfältigen Windungen hinziehende Ranken füllen den Grund Mit Rücksicht auf die dahinterliegende Palastmoschee mag dieser Wechsel begründet werden, da es damals bereits ein Bilderverbot für Moscheen galt. Die nicht nach Berlin gelangten Dreiecke der rechten Seite verblieben 1903 am Ort und sind seither zerstört worden. Es könnte der omaijadische Kalif al-Walid II. (743-744) gewesen sein, der während seiner kurzen Regierungszeit den Auftrag gab, einen Palast in der jordanischen Wüste südöstlich der heutigen Hauptstadt Amman zu bauen. Den Palast mit Audienzsaal und Wohnbereich, einer Moschee und weitere, für zeitweilige Regierungsgeschäfte erforderliche Bauten umgab eine quadratische Umfassungsmauer, die nur scheinbaren Festungscharakter hat. Der Bau blieb allerdings unvollendet, was bei einer Betrachtung ins Auge fällt, da alle am Boden vorgearbeiteten Versatzstücke fertig sind, während der vor Ort ausgemeißelte Reliefgrund stellenweise nur in Anrissen skizziert blieb. Eine Bauinschrift wurde nicht gefunden. Erst im 19. Jh. wurde Mschatta wiederentdeckt. Wesentliche Teile der Fassade befinden sich seit 1903 als Geschenk des osmanischen Sultans an den deutschen Kaiser im Museum für Islamische Kunst, während das Bauwerk sich weiterhin in situ in Jordanien besichtigt werden kann.
View Short DescriptionDie Kalksteinfassade von Mschatta stammt von einem Wüstenschloss in Jordanien und wurde dem Deutschen Kaiser vom Osmanischen Sultan als Geschenk überreicht. Es handelt sich um die Außenmauer, auf der Tiere inmitten von floralem Dekor zu sehen sind. Da der Kalif, der den Palast bauen ließ, ermordet wurde, konnte der Bau nicht vollendet werden.
Zunächst auf Grund von stilistischen Gründen in die omaijadische Zeit datiert, was schwierig und kontrovers war. Im Verlauf des 20. Jh. gab es verschiedene vorislamische (Sasanidisch, Ghasanidisch, Byzantinisch) und frühislamische Datierungsvorschläge (Omaijadisch, Abbasidisch). Der unvollendete und der Fund eines fragmentarischen Ziegels im 1964, auf dem ein Name genannt wird, der in der zeitgenössischen Literatur zwischen 730 und 750 vorkommt, unterstützt die Datierung in die spätumaiyadische Periode.
Geschenk des osmanischen Sultans Abdul Hamid II. an Kaiser Wilhelm II. Geschenk von Wilhelm II. an die Königlichen Museen Berlin 1903.
Durch die ursprüngliche Zugehörigkeit zu dem in situ befindlichen Bauwerk Qasr al-Mshatta bevor ein Teil der Fassade abgebaut wurde.
Bisheh, Gh., “Qasr al-Mshatta in the light of a recently found inscription”, Studies in the history and archaeology of Jordan (ed. A.Hadidi), vol. III, Amman, Jordan 1987, pp.193-197, Fig. 2f.
Creswell,K.A.C., Early Muslim Architecture I,1-2. Umayyads, A.D. 622-750. 2nd edition, Oxford, 1969, I,2, pp. 578-606 Pl. 112-136.
Enderlein, V. "Die Erwerbung der Fassade von Mschatta", Forschungen und Berichte 26, 1987, 81-90.
Museum für Islamische Kunst, Verlag Philipp von Zabern, Mainz, 2001, 117-125.
Trümpelmann, L. Mschatta. Tübingen, 1962.
Jens Kröger "Fassade des Palastes von Mschatta" in "Discover Islamic Art", Museum With No Frontiers, 2026.
https://islamicart.museumwnf.org/database_item.php?id=object;isl;de;mus01;1;de
Autor: Jens Kröger
MWNF Arbeitsnummer: GE 01
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